Historie

Der Erste, der sich mit diesem Naturschauspiel beschäftigte, war wohl auch der Berühmteste: Johann Wolfgang von Goethe besuchte mehrmals die Luisenburg und das Felsenlabyrinth.

Im Jahre 1785 reiste der junge Legationsrat v. GOETHE mit seinem Kameraden Karl Ludwig v. KNEBEL zu naturwissenschaftlichen Studien ins Fichtelgebirge. Diesem Entschluss vorausgegangen war sein in Karlsbad und Eger - angeregt durch die von ihm und Karl August v. WEIMAR gegründete "Mineralogische Gesellschaft Grüner-Eger" - außerordentlich stark erwachtes Interesse für Meteorologie, Botanik und Landschaftsgeologie (Auszug aus Goethes Studien).

Der Aufenthalt der beiden Forscher zwischen dem 29. Juni und 03. Juli 1785 gestaltete sich aufgrund schlechter Witterungsverhältnisse als nicht sehr angenehm. Am 03. Juli schrieb K. Ludwig v. KNEBEL in sein Tagebuch: "Diesen Morgen fuhren wir unter starkem Gewitterregen nach der Luxburg. Wir bestiegen die prächtigen Granitfelsen, die daselbst noch in zerstreuten und aufgetürmten Trümmern liegen. Sturm und Regen nötigten uns wieder herunterzugehen und ich ging allein mit meinem Burschen, indes Goethe zeichnete, über Sichersreuth wieder zurück."

Die Beschäftigung mit der Frage der Entstehung des Felsenlabyrinths führte GOETHE letztlich zu der modern anmutenden Erkenntnis, dass die Genese der verstürzten Granit-Blockmassen auf langsame natürliche Verwitterungsvorgänge zurückzuführen sei.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man das Zustandekommen der Blockmeere noch auf starke Erdbeben und "weltumstürzendes Getöse von Gipfeln, die in Abgründen zu tausend anderen Felsen zerschmettert worden waren", zurückgeführt.

In seinen schematischen Zeichnungen malte Goethe links die Granitfelsen in deren vermutlich ursprünglichen Zustand, wobei er die später abgewitterten Blöcke mit einer Schraffur versah; das jeweils rechte Bild zeigt die Granitblöcke in dem Zustand, in welchen er diese bei seinem Besuch am 03. Juli 1785 vorgefunden hatte.
In seinen "Tages- und Jahresheften 1820" schrieb er hierüber: "Mein Abscheu vor gewaltsamen Erklärungen, die man auch hier mit reichlichen Erdbeben, Vulkanen, Wasserfluten, anderen titanischen Ereignissen geltend zu machen versuchte, ward auf der Stelle vermehrt, da mit einem ruhigen Blick sich gar wohl erkennen ließ, dass durch teilweise Auflösung wie teilweise Beharrlichkeit des Urgesteins, durch ein daraus erfolgendes Stehen bleiben, Sinken, Stürzen, und zwar in ungeheuren Maßen, diese staunenswürdige Erscheinung ganz naturgemäß sich ergeben habe."

Im Jahre 1820 besuchte Goethe die Luisenburg zum zweiten Male, um hiernach der wissenschaftlichen Welt seine Erkenntnis von der Entstehung des Felslabyrinths - allein durch Verwitterungsvorgänge - zu unterbreiten.

In der Zwischenzeit war durch die Erschließungsbemühungen eines "Wunsiedler Gesellschaftskreises" aus der unwirtlichen "Luxburg" eine parkähnliche Anlage geworden, welche man im Sommer 1805 anlässlich eines Besuches des preußischen Königspaars zu Ehren der jungen Königin in "Luisenburg" umbenannt hatte.

Heute wird ein Teil der Luisenburg auch als Naturbühne genutzt.

Literatur

FROSCHAUER, OSKAR: (1949): Der ruhige Blick - Goethe auf der Luisenburg im Fichtelgebirge.- Nürnberger Hefte 1, 7: 16-18, Nürnberg (Nbg.-Presse) 1949.

RICHTER, P. & STETTNER, G.: (1979): Geochemische und petrographische Untersuchungen der Fichtelgebirgsgranite.- Geologica Bavarica 78, 144 S., 70 Abb., 9 Beil., München 1979.

WURM, ADOLF: (1932): Erläuterungen zur Geol. Karte von Bayern 1:25000 Bl. Wunsiedel Nr. 82.- 46 S., 11 Abb., 6 Taf., München 1932.

Dieser Aufsatz stammt von Alfons BAIER, veröffentlicht auf www.uni-erlangen.de
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