Die Erschließung des Bürgerlichen Landschaftsgartens

Die Luisenburg erhielt ihren Namen von der preußischen Königin Luise, als sie und ihr Gemahl Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1805 die Luisenburg besuchten. Die Bezeichnung Burg bezieht sich dabei nicht auf eine Burg, sondern auf das gesamte Areal rund um das Felsenlabyrinth.

Vor dem Königsbesuch wurde die Luisenburg als Los-, Lux- oder auch Luchsburg bezeichnet. Die älteste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1352 zurück. In dieser Zeit ging das Gelände an die Stadt Wunsiedel über und somit auch die Bestimmung wie sich dieses Gebiet weiterentwickeln soll.

Das heutige Felsenlabyrinth war aufgrund der geologischen Gegebenheiten zur damaligen Zeit kaum zugänglich und löste bis ins 18. Jahrhundert Angst und Schrecken bei der Bevölkerung aus – die Luxburg galt als verrufener Ort.

Die ersten Sprengungen fanden 1740 statt – warum dies geschah, ist nicht geklärt, war es der erste Ansatz um die Wildnis begehbar zu machen oder war es ausschließlich geologisches Interesse?

Letzteres verfolgte insbesondere Johann Wolfgang von Goethe, als er 1785 erstmalig die Gesteinswildnis besuchte, ein zweites Mal 1820. Am berühmtesten sind seine Theorien über die Granitverwitterung, die heute noch Gültigkeit haben – Goethe war es auch, der den Begriff Felsenlabyrinth erstmalig prägte.

Die Phase von 1788 – 1800 wird als Beginn der gestalterischen Maßnahmen – hin zu einem bürgerlichen Landschaftsgarten – angesehen. 1788 fand ein Kaffeetrinken von erlesenen Wunsiedler Bürgern im Umfeld der Kellergrotte statt. Warum dieses Treffen stattfand ist nicht belegt. Zum Kreis der Gesellschaft zählten Dr. Johann Georg Schmidt, Bürgermeister in Wunsiedel, Kreisarzt und Badearzt in Alexandersbad und sein Schwager Florentin Klinger, Stadtdirektor, Justiz- und Hofrat zu Wunsiedel.

1784 gründete eine Gruppe Wunsiedler Amts- und Würdenträger, die Gesellschaft zur Aufklärung väterländlicher Gebräuche, Sitten und Rechte. Die Herren Schmidt und Klinger gehörten zum Mitgliederkreis. Deren Interessen waren sehr auf die Belange der Lokalgeschichte gerichtet: Der Ausbau und die Verschönerung der Luxburganlagen waren folglich ein zentrales Anliegen.

Die kleine Wunsiedler Gruppierung arbeitet bis 1790 an der optischen Verschönerung rund um die Kellergrotte: der Platz wurde eingeebnet und Bänke wurden aufgestellt. Nach 1790 fand der Regensburger Baron von Carlowitz ebenfalls besonderes Interesse und ließ bei der Grotte noch mehr Rasenbänke anordnen, Bäume pflanzen und sogar einen Zaun – wie es sich für einen Garten gehört – anlegen.

Fortan fanden auch die Kurgäste aus Alexandersbad, zu denen auch Carlowitz zählte, besonderes Gefallen an der Anlage. Das Interesse an den Gartenanlagen stieg immer weiter und 1792, das hiesige Gebiet gehörte fortan zum Königreich Preußen, 
und den Folgejahren wurde der Gesellschaftsplatz, der einst einem Sumpfgebiet glich, trockengelegt und bepflanzt. Baron von Carlowitz war zu dieser Zeit die treibende Kraft, sah diesen Ort fast schon als sein Eigentum an.

Es folgten unter dem anhaltenden Eifer von Baron von Carlowitz, aber auch von Dr. Schmidt und seinem Schwager Florentin Klinger, weitere Trockenlegungen von Plätzen, Einebnungen im Gelände und das Anlegen von Spazierwegen. Zahlreiche Inschriften wurden an markanten Plätzen in den Stein gemeißelt und Ruhebänke aufgestellt. So entstand bis 1810 eine Gartenanlage im englischen Stil.

Die zweite Phase der Gartengestaltung von 1800 – 1805 erlebte ihren Höhepunkt mit dem fast dreiwöchigen Besuch des preußischen Königspaares Luise und Friedrich Wilhelm III. in Alexandersbad im Juni 1805.

In Vorbereitung auf den Besuch in der Luxburg wurde der Bayreuther Hofgärtner Joseph Daupeck mit weiteren Arbeiten im Landschaftsgarten beauftragt. Die Errichtung eines gotischen Häuschens am Gesellschaftsplatz, in dem Luise und ihre Gefolgschaft entsprechend begrüßt werden konnten, sowie die Pflege bestehender Plätze und Wege waren zu erledigen. Wohl eher zufällig entdeckte Daupeck dabei die Weiterführung des Weges an der Burgtreppe. Daraufhin wurden zusätzliche Stufen angelegt und der Garten konnte weiter erschlossen werden.

Die  Entdeckung der Hardenberggrotte geht ebenfalls auf Daupeck zurück, die am Ende seines Schaffens seinem Vorgesetzen Herrn Landjägermeister von Hardenberg gewidmete wurde.

Die größte Widmung fand hingegen beim Besuch und der feierlichen Zeremonie des preußischen Königspaares satt: Zu Ehren der Königin Luise wurde die Luxburg-Gartenanlage in Luisenburg umbenannt, ebenso wurde der Luisensitz nach der Königin benannt sowie weitere zahlreiche Felsinschriften geschaffen, die noch heute an die königliche Gesellschaft erinnern.

In den folgenden Jahren von 1806 – 1810 kam es aufgrund von politischen Umständen, die von Napoleon geprägt waren, zum Stillstand bei der Gartenausgestaltung.

Einen neuen Höhepunkt erfuhr die Gartenanlage in der dritten Phase von 1810 – 1815.Die Region war inzwischen bayerisch geworden. In dieser Zeit kam es abermals zu bürgerlichen Engagement, hauptsächlich von Florentin Theodor Schmidt, einer von drei Söhnen von Dr. Johann Schmidt, dem einstigem Bürgermeister der Stadt Wunsiedel. Der junge Kaufmann Schmidt kehrte damals aus Hamburg zurück, um in seiner Geburtsstadt eine Zuckerfabrik zu gründen. 

1811 wurde die Insel Helgoland von Florentin Theodor Schmidt angelegt sowie 1815 die Marianenshöhe und zeitgleich das Merckgärtchen. Letztere, errichtet Schmidt zu ehren seines Hamburger Kompagnons Heinrich Johann Merck und dessen Frau Marianne. Diese Gartenpartien sollten verstärkt die Melancholie zum Ausdruck bringen, ebenso wie die Einsamkeit und das Bewusstsein der Vergänglichkeit.

Diese Form des Ausbaus des Gartens, hinter deren Gestaltung sich auch die Zucker-Schmuggelgeschichte verbirgt, wird auch als symbolischer Ausdruck interpretiert, der sich gegen die Politik Napoleons richtete.

Wie kein anderer verstand es Florentin Theodor Schmidt in einem Garten, in Form von Sichtachsen und Inschriften, die Geschichte und sein Handeln so zu inszenieren, um es letztendlich auch Besuchern zugänglich zu machen.

Sein Bruder, Dr. Christian Schmidt, der 1815 die Zuckerfabrik übernahm, tat es ihm 1815 beim Bundesstein gleich. Hier ließ er zusammen mit zwei weiteren Freunden Treppen und ein Aussichtsplateau anlegen. Das gleichzeitig errichtete Gipfelkreuz war das erste im Mittelgebirge. Ein Symbol, welches schon damals die weitere touristische Ausrichtung und Entwicklung aufzeigte.

Die vierte Phase des Gartenausbaus von 1816 – 1825 war wieder geprägt von adligem Besuch und dessen finanzieller Unterstützung. So war die Schwester der bereits 1810 verstorbenen Königin Luise, Fürstin Therese von Thurn und Taxis zu Besuch. Sie ließ die Tränengrotte anlegen.
Aber auch wohlhabende Kaufleute zeigten ihre Zuneigung zur Gartenanlage in Form von Inschriften.

Diese Phase leitete aber auch einen gewissen Umschwung in der Gartengestaltung auf der Luisenburg ein. Der Besucher wollte nicht mehr nur Lyrik und Prosa, in Form von Textpassagen im Fels vorfinden, sondern die Natur einfach nur genießen. Der damalige Gestalter Dr. Christian Schmidt hatte den neuen Trend frühzeitig erkannt: Wandern.

So entwickelte sich das Erleben von Natur ohne Schnickschnack, aber mit Erlebnisfaktor. Die Wolfs- und Burgschlucht ebenso wie Aussichtspunkte und Rastplätzen entstanden so unter völlig neuen Gesichtspunkten. 

Ab 1826 ließ sich die bayerische Monarchie im Garten huldigen. Zu Ehren von Königen und Prinzen wurden ihnen Aussichtspunkte und Plätze gewidmet, wie der Ludwigfelsen, der Max-Marien-Platz, der Prinz-Ludwig-Platz und einige mehr. 

Ebenso wurde 1826 dem Gartengestalter und Stifter der ersten Stunde Dr. Johann Georg Schmidt eine Granitsäule gewidmet. Erst später, 1845, folgte die Umbenennung des Platzes am Regenschirmfelsen in Jean-Paul-Platz und 1899 wurde Johann Wolfgang von Goethe mit einer Inschrift gehuldigt.

1890 feierte die Stadt Wunsiedel das 100-jährige Jubiläum der Erschließung der Luisenburg mit dem Festspiel „Die Losburg“ von Professor Ludwig Hacker auf dem Maximilianplatz, der heutigen Bühne der Luisenburg-Festspiele. Die Inszenierung war ein voller Erfolg und die Festspiele rückten fortan immer mehr in den Vordergrund.

Der Bürgerliche Landschaftsgarten dagegen geriet zunehmend in Vergessenheit. Die Natur eroberte sich Wege und Plätze zurück, sodass es letztendlich zur Verwilderung der Anlage kam.

Dennoch zählt das Felsenlabyrinth aufgrund seiner gigantischen Granitsteinformationen seit jeher zu den sehenswertesten Touristenattraktionen weit über die Grenzen des Fichtelgebirges hinaus.

Im Jahr 2002 wurde das Felsenlabyrinth vom Bayerischen Umweltministerium mit dem offiziellen Gütesiegel „Bayerns schönste Geotope“ ausgezeichnet.

Der gestalterische Umschwung kam hingegen erst kurz vor dem Königin-Luise-Jahr 2005. Anlässlich der 200-jährigen Umbenennung der Luxburg-Anlagen in Luisenburg wurden zahlreiche Rekonstruktions- und Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt: Sichtachsen wurden freigelegt, Wege wieder begehbar gemacht, Aussichtspunkte, Ruhebänke und Inschriften erneuert.

Im Mai 2006 bestätigte die Akademie der Geowissenschaften zu Hannover die besondere erdgeschichtliche Bedeutung, Seltenheit und Eigenart des Felsenlabyrinths. Fortan darf sich der Bürgerliche Landschaftsarten – Felsenlabyrinth Luisenburg mit dem Prädikat „Nationaler Geotop“ schmücken.

 

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